Manfred M. Riedle Zürich: Niederdorfstr. 18, 8001 Zürich, +41 1 252 54 23
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  Lebensschule: Mit den Augen des Lebens schauen lernen

Die Philosophen des Mittelalters unterschieden drei Arten von Schauen mit den drei Augen der Erkenntnis. Das Wahrnehmen des äusseren Lichtes (lumen exterius) mit den körperlichen Augen und damit das Sehen der physikalischen Welt, der mit den Sinnen erfassbaren Objekte und der Materie. Das mentale Auge, das mit dem innerem Licht (lumen interius) hineinschaut und die Wahrheiten des Verstandes, des Geistes und des Wissens erkennt. Und das Auge der Kontemplation, welches mit dem transzendente Licht (lumen superior) die letzte Wirklichkeit, der Urgrund alles Seins, schaut,
Das, was wir sehen, erscheint uns als die einzig wahre Wirklichkeit (Tonal). Erlauben wir uns, dies zu hinterfragen und bezeichnen wir dies, nur als die durch uns subjektiv wahrgenommene Oberfläche der wahren Wirklichkeit, so sind wir bestrebt weiter oder tiefer zu suchen um das Leben zu erkennen und verstehen zu lernen.
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Wenn du verstehst, bist du mit der Familie vereint;
Wenn du nicht verstehst, bist du ein Fremder
Die nicht verstehen, sind mit der Familie vereint,
und wenn sie verstehen, sind sie Fremde

Zen-Meister Ekai (Mumon)

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Zu lernen in die Tiefe zu schauen, zu erkennen und sich berühren zu lassen, ist der Weg des bewussten Lebens. Neben dem analytischen Sehen, lernen wir nicht fokussierend zu schauen um das Leben aus seiner Tiefe heraus zu erfassen und zu erfahren. Im Bewusstseinskontinuum können wir alle Details des Lebens erkennen und deren Wirkung auf unser heutiges Leben erahnen.

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Können wir in der Art in der Welt sein, dass sowohl die Oberfläche des Lebens, als auch dessen Tiefen uns stets bewusst sind, können wir lernen mit und aus diesem Bewusstseinskontinuum achtsam zu leben. Wir verbinden beide Sichtweisen und erkennen den gemeinsamen Wesensgrund und das Leben als Ganzes - mit all seinen Details. Unsere Sinne sind die Fenster der Seele um in das Leben zu schauen: Sie sind die "Augen des Lebens", die auch die Fähigkeit haben den Urgrund sowohl unserer als auch aller Existenz zu erkennen. Durch ein kontemplatives Schauen, ein nichturteilendes, einfach registrierendes Erkennen, können wir die Quelle allen Seins erkennen und daraus hingebungsvoll unser Leben wertschätzen und achtsam verwirklichen. Dies führt uns zum 'bewussten Handeln, 'rechten Denken' und 'achtsamen Ausdrücken' - wesentliche Postulate der Lebensschule.
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Die Lebensschule geht von zwei Lernbereichen, dem Bereich der äusseren und dem der inneren Welt, aus, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Der äussere Bereich kann uns ein Spiegel des Inneren sein, während wir mit Hilfe des Inneren uns in der äusseren Welt zentriert bewegen können.
Wenn wir uns vom Leben berühren lassen, lernen wir das Leben zu verstehen und begreifen dessen Sinn. Aus der Lebenserfahrung erreichen wir Bewusstheit über unser Leben und öffnen uns den Lebensweisheiten.
Sich dem Prinzip der Veränderung anzuvertrauen bedeutet, den Tod und das Sterben ebenso zu bejahen, wie das Leben. Die Vergänglichkeit gehört zu unserem Leben:

"Das einzig Beständigende im Leben ist die Veränderung"


Weltliches Leben (äussere Welt) und spirituelles Lebens (innere Welt) sind ebenso keine getrennten welten. Die Lebensschule spricht diesbezüglich von 'gelebter Spiritualität' und versteht darin die Intergration von ethischen Werte in den Alltag. Weg der Achtsamkeit ist ein hilfreicher Pfad der Lebenschule. Durch Achtsamkeit auf Körper, Gefühl, Geist, Denken und Handeln erfahren wir das Leben als Wirkung auf unser Tun. Ist unsre Verhalten geleitet von der Kraft der Liebe ist ein erfülltes, friedfertiges Leben möglich. Leider steht oft unsere unbewussten Prägungsmuster, unsere selbstschützenden Lebensscripts und unsere überzeugenden Konzepte dem Wirken aus dem Herzensbewusstsein im Wege.
Durch wahrnehmen unseren Atems, dessen Auswirkung und der Fähigkeit auch nach Innen zu schauen werden wir unsere Selbst gewahr und finden Antworten auf die Frage "Wer bin ich?". Mit deren Erkenntnis in der Welt zu sein, in der Welt achtsam und bewusst zu leben, sind die Ziele einer Lebensschule.
In der Lebenschule lernt man auch den Zusammenhang von Erwartung und Enttäuschung zu begreifen. Anstatt Erwartungen zu erfüllen lernt man mit Erwartungen umzugehen, eigene Erwartungen loszulassen und sich und die Wahrheit im gegenwärtigen Moment zu Bejahen: "So ist es." Eine positive Affirmation hierfür ist das sogenannte "Gestaltgebet".
Die Lebensschule bevorzugt achtsam in Prozessen zu denken und zu handeln. Das Ziel ist es, möglichst jeden Prozess abzuschliessen und der Schattenkräfte der Trägheit und Bequemlichkeit nicht nachzugeben. Dies ist ein Teil gesunder Psychohygiene und führt zu stressfreiem Leben.
Erlernen von Geduld ist neben Mitgefühl eine weitere Herausforderung des bewusst gelebten Lebens.

Drei Dinge habe ich zu lernen:
Einfachheit, Geduld und Mitgefühl.
Dies sind unsere grössten Schätze.
Einfach im Handeln und im Denken,
kehrst du zum Ursprung des Seins zurück.
Geduldig mit Freund und Feind,
bist du eins mit den Dingen, wie sie sind.
Mitfühlend mit dir selbst,
versöhnst du dich mit allen Wesen dieser Welt

(Tao te King)

  Wer bin ich

Der Weg der Selbsterkenntnis beinhaltet den Weg nach Innen. Die zentrale Frage dazu ist:

Wer bin ich?

Neben den körperlichen, den emotionalen, den sozialen und den kognitiven Antworten suchen wir auch geistig-spirituelle Antworten. Es geht nicht nur darum Antworten zu finden, die unser Selbstbild spiegeln und kräftigen, sondern auch den Erschaffer des Selbstbildes und dessen Wirken zu entdecken. Es ist unsere Suche nach Vollkommenheit und der Quelle allen Lebensglücks. Es wird zu Entfaltung unseres wahren Selbst: Wer war ich! - wer bin ich! - wer werde ich!.

 
Wer bin ich? Wer bin ich?

Song (1,3 MB): "I will , I can , I do: Yes I am " 
Tiefgehendste Antworten finden wir nicht durch Nachdenken, sondern durch spürendes Wahrnehmen. Unser emotionales Erleben, unsere Denkmuster und unser Verhalten bewusst wahrnehmen, deren Ursprünge und deren Ausformungen wiederzuentdecken sind ein wesentlicher Teil dieses Prozesses. Neue unbekannte innere Räume unseres Seins zu entdecken sind weitere Aspekte. Kognitionen und Lebensscripts, die unser Leben und dessen Ausdruck bestimmen gilt es zu erkennen und zu reflektieren. Wechselwirkende Kräfte in sozialen Kontakten werden erkannt und erweitert. Verdrängte Emotionen und vergessene Bedürfnisse dürfen wieder integriert werden. Zu lernen zu sich zustehen, sich anzunehmen und sich selbst und der Welt zu zumuten sind ebenso Aspekte der Lebenschule, wie die Förderung von Achtsamkeit und Bewusstheit. Die Entfaltung Männliche und weibliche Sexualität, die Entwicklung wertschätzender Lebensführung und intuitiv erfahren von Lebensweisheiten sind Antworten auf die zentrale Frage "Wer bin ich?".

Der wahre suchende ist der, der auf der Suche nach sich selbst ist.
Gib alle Fragen auf ausser der einen: "WER BIN ICH"
Schliesslich bist du dir nur einer Tatsache gewiss: DU BIST!
Das "ICH BIN" ist sicher,

das "Ich bin dies" ist es nicht.
Bemühe hersauszufinden, was du in Wirklichkeit bist.

(Sri Nisargadatta Maharaj)


Diese Antworten führen zu einem Erwachen: einem sich selbst erfahrenden und selbst entdeckenden Prozesses. Man spricht auch von einer zweiten Geburt, der geistig-spirituellen Geburt der Entfaltung des Bewusstseins. Der Ausformung seines wahren Selbst. Dieser Prozess ist ein Transformationsprozess aus dem sich ein umfassenderes Bewusstsein entwickelt.

"Was für die Raupe das Ende der Welt ist,
ist für den Rest der Welt ein Schmetterling
"

(zit. n. R.Bach)

  Lebensscripts

Lebensscripts sind persönliche Lebensregeln, die unser Denken, unser Handeln und unser Verhalten bestimmen. Im Denken sind es die Denkmuster, die unsere persönlichen Realitäten erschaffen. Im Handeln sind es unsere Handlungsschematas, die auf unseren Scripts basieren. Scripts entstehen aufgrund unserer Abwehrmechanismen. Klassische Formen sind u.a. Introjektion, Verdrängung, Projektion, Rationalisierung, Sublimierung oder Kompensation. Jede Form hat ihre zwei Seiten. So werden zum Beispiel bei der Introjektion Normen übernommen, die einerseits Sicherheit geben, andererseits aber auch zum Kontrolleur werden können und wir uns unfrei und unterdrückt fühlen können. Bei der Projektion gilt die Redewendung: Man sieht eher den Balken im Auge des Andern, anstatt den Splitter im Eigenen. Aufgrund dieses Scripts können Wahrnehmungsverschiebungen auftreten, die zu Handlungsfehlern führen und bauen einen Gefühlspanzer auf, der einerseits uns emotional schützt, aber andererseits uns auch emotional einsam machen kann, da wir nicht mehr auf der Gefühlsebene in Beziehungen treten können. "Zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen" als Lebensregel setzt unsere Lust mit ihren Bedürfnissen ins zweite Glied. Die Pflicht ruft und gilt als oberstes Gebot. Die Folgen solch eines Scripts können Schuldgefühle oder unterdrückte lustvolle Bedürfnisse sein. Die Umkehrung eröffnet uns die Lebensberechtigung und damit speziell die Berechtigung unserer Lust, unserer Bedürfnisse und unseres Eigenraumes.
Die Lebensregeln waren früher meist hilfreich bis notwendig. Im fortgeschritten Leben können wir deren Hemmnisse erfahren und es zeigt sich meist der Wunsch nach Veränderung oder Auflösung dieser blockierenden Scripts. Durch Psychotherapeutische Begleitung lassen sich die bisherigen blockierenden Regeln in neue offenere Scripts transformieren.
  Seelische Nahrung

Die Seele ist unserem Körper vergleichbar. Der Körper benötigt Nahrung, Bewegung und Ruhe. Die Seele benötigt seelische Nahrung, geistige Bewegung und Zeiten der Stille und Besinnung. Erlernen von Achtsamkeit, erkenntnisreiches Arbeiten an der Frage ' Wer bin ich?' und ein sich zurückziehen in die Stille und Besinnung um sich seiner selbst, des Atems und seiner Herkunft bewusster zu werden sind wesentliche Schritte auf dem heilsamen Weg. Die geistige Ausrichtung, das Erlernen bewussten Denkens und des achtsamen Handelns können durch positive Gedanken, passende Literatur, Gesänge oder Mantras gefördert werden. Direktes oder indirektes offenes Beten im weitesten Sinne nährt unsere Seele und öffnet unsere Herzenstüren. Ein liebevoller, achtsamer Umgang mit uns selbst, unseren Mitmenschen und unserer Natur trägt ebenfalls dazu bei. Wie wir denken und wie wir Handeln wirkt auf uns und unsere Umgebung. Wird dieser Einfluss uns bewusst, und finden wir die Kraft zu der Aufrichtigkeit können wir die Welt mitverändern
  Psychohygiene

Unter Psychohygiene verstehen wir die Sorge um die Balance aller Dimensionen und in unsere Mitte zurückzufinden. Neben entspannenden Techniken sind auch Aktivitäten adäquate Möglichkeiten. Meditation, Beten oder weitere besinnliche Techniken helfen vor allem unseren Geist zu besänftigen und ihn wieder so auszurichten, dass er von Ruhe, Frieden und umfassender Liebe erfüllt werden kann. Analoges kann durch Bewegung, Sport oder Naturerlebnisse erfahren werden.
Körperliche Fitness (Produkt von Beweglichkeit, Kondition und Ernährung), emotionale Ausgewogenheit und geistig-seelisch Klarheit führt uns zu unserer Mitte, zu innerem Frieden und zu tiefem Mitgefühl mit unserem Umfeld. Dies aufrechtzuerhalten oder stets wiederzuerlangen ist der Sinn einer gut angewandten Psychohygiene. Offene Gestaltprozesse im Handeln werden möglichst abgeschlossen. Anstatt emotionale Eindrücke zu schlucken, lehrt die Lebensschule den emotionalen Fluss aufrechtzuerhalten und sich emotional mitzuteilen und auszutauschen. Ganzheitliche Pflege und Achtsamkeit in allen Lebensbereichen sind effiziente Hilfen.
Reinigung bedeutet auch sich rein halten im Äusseren, wie im Inneren und sind wesentliche Handlungen für eine funktionierende Psychohygiene. Erkennen eines Fehlverhaltens ist keine Sünde, sondern die Erkenntnis hilft uns bewusster zu leben. Für diese Erfahrungen ist ein persönlicher Ort der Besinnung wie ein eigener heiliger Tempel um sich emotional und geistig zu läutern. So ist es hilfreich uns Zeit zu nehmen für das Reinhalten unseres Körpers, unseres Zuhauses und unserer Umwelt.
  positive Gedanken des Monats (Sammlung)

Sammlung der Gedanken des Monats sind positive Gedanken, Anregungen und Affirmationen, die uns Anleitung sein können, die Lebensschule zu praktizieren. Sie sind ein teil der sogenannten gelebten Spiritualität.

- "Je kontinuierlicher und disziplinierter man etwas betreibt, desto klarer und effizienter ist der Erfolg". (M.R.; 08.2004)
- "Vor dem Spiegel betrachte ich mein Verhalten und mein Handeln: Bin ich das alles oder sind das Ausführungen meiner Prägungen?" (M.R.; 11.2004)
- "Wer hilft mir den Weg durch die Steine zu legen, anstatt Steine in den Weg zu legen". (nach T.S.; 12.2004)
- Die Sehnsucht nach Glück ist ein Aspekt der Suche nach Ganzheit. Verschmelzen wir nicht in äusseren Beziehungen und Erfahrungen, verlieren uns nicht in Leidenschaften, sondern erkennen all die Erlebnisse in der äusseren Welt als ein Spiegelerlebnis unseres Innern. Dann können wir verstehen lernen, was es heisst mit unserem Herzen sich zu einen und zu lieben. Glücklichsein wird dadurch durch Mitgefühl, Klarheit und Friedfertigkeit gekennzeichnet sein und das Leben erscheint nicht weniger intensiv und leidenschaftlich in dem Sinne, sich jeden Moment ganz einzulassen und sich dem Leben mit Glück und Leid voll hinzugeben. (02.2005)
Sterben ist Hingabe - von Pyar wundeschön ausgedrückt: "... es ist kein Werden, sondern ein Entwerden, kein Erreichen , sondern ein Aufgeben, kein Tun sondern ein Hingeben." (aus Pyar Troll, Reise ins Nichts, S.132). (01.10.2007)
 
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