Manfred M. Riedle Zürich: Niederdorfstr. 18, 8001 Zürich, +41 1 252 54 23
Zug: Kirchenstr. 13, 6300 Zug, +41 41 710 54 21
M
M
Psychologie
Psychotherapie
Coaching
Supervision
Weiterbildung
Literatur
Glossar
zur Person
Kontakt
News
Links
Forum
Home
Psychotherapie
  Körper, Geist und Seele
 
 
Seitenwahl: << 1 2 3 4 5 >>
  Körper und Geist

Körperlichkeit ist der materielle Aspekt unseres irdischen Daseins. Für unser Leben ist es wesentlich die körperlichen und auf Materie bezogenen Gesetzmässigkeiten zu kennen und zu erlernen. Für das Menschsein ist jedoch noch das Wesensmerkmal des Geistes - der immaterielle Aspekt - von Bedeutung. Der Versuch das Geistige zu erfassen misslingt, wenn man auf den Spuren des Denkens und des rein Köperlichen behaftet bleibt. Gleichzeitig lässt sich das Geistige für uns nur mittels unserer lebenden Körperlichkeit und wahrnehmenden Phänomenen erfahren. Durch das Geistige bringen wir Kreativität und Bewusstsein ins Leben. Mit dem Körperlichen können wir dies erfahren und ausdrücken. In allen Kulturen und zu allen Epochen haben sich Menschen mit dem Geistigen auseinandergesetzt und versucht durch ritualisierende Handlungen das Geistige ins Körperliche zu bringen. Unterschiedliche Religionen und Gottesvorstellungen zeugen davon. Indianer sprachen vom "Grossen Geist" und dem Geist der Ahnen, Schamanen von der geistigen Welt, Christen vom allmächtigen Gott, Buddhisten von Buddhas und Sufis von Allah und bezeichneten damit die immaterielle Existenz einer über das rein Körperliche hinausgehenden Phänomens. Menschen mit speziellen Begabungen von Wahrnehmungen in veränderten Bewusstseinszuständen oder in ausser gewöhnlichen Lebenssituationen (z.B. Nah-Tod-Erfahrungen) berichten von einer immateriellen Welt und Lichterfahrungen. Die transpersonale Psychologie kümmert sich um diese phänomenalen Aspekte und deren Einfluss auf unser Leben im ganzheitlichen Sinne. Der geisteswissenschaftlichen Forschung liegt die Erkenntnis und Erfahrung zugrunde, dass der wahre Mensch ein unsterbliches geistig-seelisches Wesen ist, das nur vorübergehend einen Körper trägt zum Zwecke einer "individuellen Bewusstseins-Evolution", die nur auf der Erde möglich ist.
Die wesentliche Aufgabe des suchenden, um Erkenntnis ringenden Menschen ist es, in seiner Seele das Göttliche (höhere Geistige) zu erleben. Wenn der Mensch das Göttliche in sich erkennt, lebt er im Strahl göttlichen Einflusses und in dessen Willen ("Dein Wille geschehe, ...") und kann in bedingungsloser Liebe schöpferische Werke vollbringen. Aufrichtige Demut und tiefes Mitgefühl öffnet diesen Weg.
Ist unser Bewusstsein für die immaterielle Welt geöffnet, besteht für uns eine weitere wesentliche Lebensaufgabe. Wir sind gefordert neben den körperlichen und materiellen auch den seelischen und geistigen Erfordernissen gerecht zu werden (siehe "ganzheitliche Pflege"). Mittels Achtsamkeit, Klarheit, Mitgefühl und Güte können wir lernen, rechte geistige Werte in der materiellen Welt anwenden. Dieser Prozess entspricht angewandter und gelebter Spiritualität.
  Atem und Lebensqualität

"Ein Vogel wird durch seine Flügel bewegt; ein Mensch wird durch seinen Atem bewegt" sagt eine hawaiianische Redewendung. Das Wort Spirit kommt von Spiritus (Lat.), und trägt zugleich die Bedeutung für Atem und Seele. Sufistische Heilorden betrachten die Seele als den göttlichen Atem, der uns Menschen reinigt, belebt und heilt.
Das Leben beginnt mit dem Atem und hört beim Sterben mit dem letzten Atemzug wieder auf. Der Atem begleitet unser ganzes Leben. Das rhythmische Ein- und Ausatmen geht einher mit dem stetigen dynamischen Prozess von Anspannung und Loslassen. Veränderungen als Ausdruck dieses Prozesses sind für das Leben und dessen Beweglichkeit kennzeichnend. Ohne Veränderung tritt Starre und Unbeweglichkeit ein. Gesundes Leben ist durch den ausgewogenen Wechsel von Spannung und Entspannung charakterisiert.

Durch bewusstes, vertieftes und verbundenes Atmen verbessert sich die Sauerstofftoleranz und die Vitalkapazität, physisch und psychisch. Durch atemtherapeutisches Arbeiten kann wieder zu diesem holistischen Atemprozess zurückgefunden werden. Hyperventilation kann sich bei diesem Prozess aufgrund des bisherigen flachen, gedämpften Atemmusters einstellen. Die Ursache ist noch eine verringerte Sauerstofftoleranz. Mittels bewussten ruhigen und verbundenem Atems und dem Abbau muskulärer Verspannung kann die erzeugte Anspannung wieder gelöst werden
Mit Hilfe der Kraft des Atems können wir unsere verborgenen Gefühle wieder aktivieren und uns ins Bewusstsein holen. Die emotionale Energie wird wieder in Fluss gebracht und die Akzeptanz der Gefühle und der Sensitivität gestärkt. Diese Befreiung hilft uns unseren Eigenraum (Aura) kraftvoll und entspannt auszudehnen.
Der Atem reagiert direkt auf unser körperliches, seelisches und emotionales Befinden. So können wir auch mittels dem Atem direkt auf unseren Körper und unsere Emotionen einwirken. Einem aufgeregten Menschen raten wir spontan: "Atme doch erst einmal tief durch." Dabei verstehen wir, dass wir uns auf das Ausatmen fokussieren sollen, denn der Körper atmet von Natur aus wieder selbst ein. Das tiefe Atmen und die damit verbundene Entspannung verhindert ein weiteres Ausschütten von Stresshormonen, und die Aufregung kann abklingen. Wir empfinden wieder Ruhe und Ausgewogenheit in Körper und Psyche. Dieser Ruheatem bringt uns zur inneren Zufriedenheit und tiefen Entspannung.

  Einheit von Körper, Geist und Seele

Einheit von Körper, Geist und Seele versteht die gegenseitige Wechselwirkung und Bedingtheiten zwischen dem Körper (body), dem rationalen Geist (mind), der Seele (soul), dem Gefühl (emotion) und dem Geistigen (spirit). Lenken wir unsere Wahrnehmung auf einzelne Aspekte dürfen wir deren wechselwirkende Verzahnung nicht vergessen. Diese Einteilung wird nicht nur in der Anthroposophie noch verfeinert, sondern auch in hinduistischen Lehren. Dort wird von dem Axiom einer einheitlichen Geist-Energie ausgegangen, die in ihrer obersten Stufe reiner Geist ist und sich nach unten immer mehr verdichtet. Die Bereiche zwischen reinem Geist und dem Körper werden als feinstofflich, der körperliche Aspekt als grobstofflich bezeichnet. Sehr interessant ist unter anderem diesbezüglich die Nah-Tod-Erfahrung von Stefan Jankovich.
Unser Körperzustand hat Auswirkungen auf unseren Atem und unsere Emotionen und umgekehrt. So lassen sich in der Körperhaltung, Gestik und Mimik sowohl Stress, Aufregung, Angst oder Unlust als auch Zufriedenheit, Liebe und Glücklichsein an unserem Körper ablesen.
Ängstliche Menschen ziehen die Schultern hoch, traurige lassen sie hängen usw. Wenn solche Gefühle sehr lange anhalten, ist der Körper nicht mehr in der Lage, diese Körpermuster automatisch loszulassen. Lösen sich die Körperblockaden, dann kommen oft neue Emotionen zum Vorschein. Mit einem entspannten und ausgewogenen Körper haben wir ganz andere Möglichkeiten, Freude, Liebe und tiefe Gefühle zu erleben. Die Blockaden, die uns zu schlaff oder zu hart gemacht haben, verschwinden.

Rechte geistige Grundhaltung, aufrichtiges Denken sowie der freie Fluss unsere Gefühle erschaffen ein Körperbewusstsein, das sich in einem ausgeglichenen körperlichen Ausdruck wiederfindet. Ist unser Bestreben stets diese Eutonie und Balance auf allen Ebenen zu erreichen, leben wir nach den Prinzip der Einheit von Köper, Geist und Seele. Dieser achtsame Umgang mit sich und allen Aspekten unseres Daseins ermöglicht uns inneren Frieden und tiefe Gelassenheit zu erreichen.
  Ganzheitliche Pflege

Pflege bedeutet sich um sein Leben und sein Dasein liebevoll zu sorgen. Neben den alltäglichen Anforderungen ist es auch notwendig auf unser seelisches Befinden zu achten. Hier kommt die angewandte Psychohygiene zum tragen.
Aus der Einheit von Körper, Seele und Geist und deren gegenseitigen Wechselwirkung erfolgt die Notwendigkeit für eine ganzheitliche Gesundheit auf allen Dimensionen nach Eutonie und Balance zu streben. Die drei wesentlichen, unbewussten Wirkkräfte des Geistes sind gekennzeichnet durch erstens Festhalten, Habenwollen oder dem Gefühl von Mangel; zweitens durch Ablehnung, Bewertung oder Hass und drittens durch Lethargie, Selbsttäuschung oder Nichtverbundensein. Diese grundlegenden Wirkkräfte unseres Geistes und die körperlichen und emotionalen Konditionierungen können durch Bewusstheit und angehaltenem Bemühen transformiert werden und unser Sein in die rechte Balance zu bringen.

Auf der körperlichen Ebene ist es sinnvoll sowohl auf die Ernährung zu achten, als auch auf Bewegung, Ausdauer und Kondition. Entspannung und Massage sind weitere wesentliche Aspekte, die eine positive Wirkung auf unsere ganzheitliche Gesundheit hat.

Auf der emotionalen Ebene ist es empfehlenswert unsere Bedürfnisse und unser Empfinden ernst zu nehmen. Nicht erst das Empfinden für kräftige Gefühle, sondern auch für die weicheren emotionalen Bedürfnisse wie Nähe, Liebe, Zuwendung, Zärtlichkeit oder Sinnlichkeit Massage unterstützen die Balance unserer Gefühlswelt. Emotionen sind wie das Wetter, stets vorhanden - mit allen Hochs und Tiefs - und können uns nicht dagegen stellen.

Seelisch ist der Atem das verbindende Medium. So helfen Orte der Besinnung mit der äusseren Ruhe in uns still zu werden und unserem Wesen zu lauschen. Der Wunsch nach Vollkommenheit ist der grösste Durst unserer Seele, der gestillt werden möchte. Durch Meditation können wir uns der Vollkommenheit näheren und unsere Seele zur Ruhe kommen lassen. Durch Beten, Dichten oder Lesen können wir unseren Geist zum Werkzeug machen, das unserem Seelenfrieden dienlich ist.

Hierzu ist die Pflege des Bereichs des Geistigen hilfreich. Durch bewusste Kognitionen, die rein und klar ausgerichtet sind und analog formuliert werden können, schaffen wir in unserem Denken eine Oase der rechten und heilvollen Worte. Richtige Gedankennahrung suchen wir bewusst aus. Sie sind im Einklang mit der Sprache des Herzens. So wird unser bewusstes Leben durch die Wirkkräfte des Herzens getragen, die durch Mitgefühl und Verständnis, durch fehlendes Verurteilen und Bewerten, sowie durch tatkräftiges redliches Handeln gekennzeichnet sind. Dies führt zur Transformation und Weiterentwicklung der drei ursächlichen Wirkkräfte des Geistes.
  Der Weg ist das Ziel

Auf dem Weg sein heisst jeden Schritt als Ziel zu sehen und jedes als Problem erscheinendes Thema als Aufgabe anzugehen. Den wahren Sinn erfährt man oft erst in der Rückschau. Bisherige Vorstellung von Zielen sind als reine Orientierung zu verstehen um sich ausrichten zu können. Der Weg selbst ist letztlich das aktuelle Ziel. Dies ist das Verständnis der Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt als Ausdruck für den gegenwärtigen Moment.

Lernen wir das Nichtanhaften, können wir besser im gegenwärtigen Augenblick verweilen und mit der gegebenen Situation umgehen. Der nächste Schritt ist wie ein nächster Tag: ein neuer junger Tag. Dies wird in der schönen Geschichte zweier Mönche geschildert:

Zwei Mönche, die das Keuschheitsgelübte abgelegt hatten gingen auf Wanderschaft und mussten Flüsse ohne einer Brücke überqueren. An einem solchen Fluss wollte auch eine hübsche Frau hinüber. Der ältere Mönch erfasste die Situation und erbot sich an sie hinüberzutragen. Auf der anderen Seite des Flusses liess er sie stehen und verabschiedete sich. Nach etwa vier Stunden sprach der jüngere Mönch den Älteren an: " Du, eigentlich haben wir doch ein Gelübte abgelegt. Aber wieso hast du diese junge hübsche Frau über den Fluss getragen?" Der andere erwiderte, indem er zunächst nachfragte von welcher Frau er denn spreche. Der Jüngere verstand ihn nicht, da er nicht begriff, dass man sich an solch eine schöne Frau nicht mehr erinnern konnte. Der Ältere antwortete: " Ach jene Frau! Ja, die habe ich auf der anderen Seite des Flusses abgesetzt. Doch du trägst sie noch in deinem Geiste."
Lernen wir das Nicht-Anhaften durch loslassen, werden wir fähig jeden Moment unseres Lebens intensiv zu lieben und zu leben.
  
zurückblättern zum Anfang vorwärtsblättern